Architektenbericht 

Am 9. März weiht die Chrischona Amriswil den Erweiterungsbau des christlichen Gemeindezentrums ein. Das ist ein bedeutendes Zwischenziel in einer längeren Suche nach mehr Raum.

Erweiterungsbau Ostansicht

Seit längerem war der Platz eng in der Chrischona Amriswil, sowohl im Gottesdienstraum, als auch im begleitenden Kinder- und Jugendprogramm. Erste Schritte in Richtung Erweiterungsbau war die Gelegenheit, von der katholischen Kirchgemeinde Amriswil 1500 m2 direkt an die bestehenden Gebäude angrenzendes Bauland zu kaufen. Besuche der Gemeindeleitung im In- und Ausland halfen im Frühjahr 2002, Eindrücke zu sammeln und gemachte Erfahrungen zu erfragen.

Ein Provisorium als Zwischenlösung
Die finanziellen Mittel erlaubten es jedoch nicht, die räumlichen Wünsche und Bedürfnisse auf einmal zu verwirklichen. Die Idee reifte, als Zwischenlösung bestehende Pavillons zu kaufen und die Kinder- Jugendräume auf dem neu erworbenen Bauland unterzubringen.
So konnte man im Sommer 2003 zwei nicht mehr gebrauchte Schulpavillons in Schwyz erwerben. Diese beiden Holz-Pavillons wurden mit vielen eifrigen Helfern aus der Gemeinde in eigener Regie rückgebaut, sortiert und nummeriert, nach Amriswil transportiert und in Fronarbeit mit viel Engagement in Amriswil wieder aufgestellt. Somit waren fürs Erste die dringendsten Raumbedürfnisse abgedeckt.

Eine zündende Idee: Etappierung
Die kontinuierliche Zunahme der Gottesdienstbesucher machte es notwendig, an den Sonntagen zwei Gottesdienste nacheinander abzuhalten. Auf Dauer war das aber keine befriedigende Lösung. So kristallisierte sich die Idee Anfangs 2004 heraus, aus Kostengründen vorerst nur einen Saal-Anbau für 300 Personen mit neuem Eingangsbereich ins Auge zu fassen und die Jugendräume vorerst nur im Rohbau zu erstellen. Im Sommer 2005 wurde ich mit der Ausarbeitung eines Vorprojekts beauftragt.

Startschuss
Im September 2005 genehmigte die Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit. Am gleichen Abend wurde eine Baukommission gewählt und der Architekt bestimmt. Die Projektierung der Erweiterungsbauten konnte gestartet werden. Als Energielieferant für die ganze Liegenschaft wurde die neu erstellte Holzschnitzelanlage an der Egelmoosstrasse gewählt. Die Gemeinde wurde immer wieder über den Stand der Planung informiert. Etliche Anregungen kamen von engagiert mitdenkenden Gemeindegliedern. So dass am 23. November 2006 das Projekt mit überwältigendem Ja ohne Gegenstimmen angenommen wurde.

Baubeginn
Bereits Ende Februar konnte mit dem Aushub begonnen werden. Am Ostersonntag, 8. April wurde mit der ganzen Gemeinde die Grundsteinlegung gefeiert. Ende Mai stand das Fassadengerüst. Die Zimmerleute fügten in rekordverdächtiger Zeit die vorfabrizierten Wandelemente zusammen und bereits am 6. Juni konnten die Dachträger montiert werden. Am Donnerstag, 14. Juni konnte das Aufrichtfest im bereits provisorisch gedeckten Rohbau gefeiert werden.

Fertigstellungsarbeiten
Nachdem das Fassadengerüst ende September demontiert werden konnte, wurden nun die Umgebungsarbeiten in Angriff genommen. In der 3. Oktoberwoche gestalteten eine grosse Anzahl von freiwilligen Helfern die Umgebung. Es wurden mit fleissigen Händen 80 m3 grau-schwarzer Bergschotter in die Steinkörbe gefüllt, die Feuerstelle und der Tischtennisplatz, der Sandkasten sowie die Verbundsteinwege bei idealen Wetterbedingungen in Fronarbeit erstellt werden. Im Innern gingen die Maler- und Gipserarbeiten und das Verlegen der keramischen Bodenplatten zügig von statten. Die Glas-Schiebewand und die Faltwand wurden eingebaut. Auf dem Podium wurde der Parkettboden verlegt. Bis dann aber alle Schreinerarbeiten, Hausinstallationen, die Geländer, die Schmutzschleusen und zu guter Letzt die Cafeteria samt Büro fertiggestellt waren wurde es Dezember. Der letzte Gottesdienst im alten Saal fand am 16. Dezember statt. Der Dankgottesdienst in den neuen Räumen am 23. Dezember mit rund 350 Gottesdienstbesuchern war für alle Beteiligten ein grosser Tag. Als besonderes Geschenk zeichnet es sich ab, dass der Kostenrahmen von gut 2 Millionen nahezu eingehalten werden kann.

Architektur
Ich versuchte, den Neubau mit einer eigenen modernen Formensprache vom Altbau bewusst abzuheben. Der neue Saal mit 320 Sitzplätzen sollte schon von aussen ablesbar etwas Besonderes, etwas Unverkennbares sein. Er sollte sich zwar an den Altbau anschmiegen, sich aber der 70-jährigen Architektur nicht zu fest anbiedern. Diese Absicht konnte durch die transparente Eingangs-/ Foyerpartie mit möglichst viel Glas elegant gelöst werden. Durch die prägnante rote Farbe der grossformatigen Fassadenplatten, anthrazit-farben unterbrochen und ergänzt, verstärkt sich dieses Ansinnen noch. Durch das gegenüber dem gewachsenen Terrain leicht erhöhte Saal-Niveau konnte die Belichtung des Untergeschosses mit den Kinder- und Jugendräumen mit einem auf beiden Längsseiten durchgehenden waagrechten Fensterband optimal gelöst werden.
Den schuppenförmig angeordneten Längswänden mit ihren nach Norden gerichteten senkrechten Fensterbändern und des leicht abfallenden Daches liegen folgende Überlegungen zu Grunde:
1.Die äussere Erscheinung des relativ massigen Baukörpers wird gegliedert.
2.Die direkte, im Altbau als lästig empfundene Sonneneinstrahlung in den Saal während des vormittäglichen Gottesdienstes entfällt.
3.Durch die rückwärts gewandten Fenster wird das Publikum weniger abgelenkt, die Sicht richtet sich im Zusammenspiel mit der nach vorn abfallenden Saaldecke fast zwangsmässig Richtung Podium.
4.Die Akustik wird begünstigt, in dem sich die Schallwellen brechen können.

Neuer Gottesdienstraum

Ich danke den Mitgliedern der Baukommission für die tolle und engagierte Zusammenarbeit. Den Fachplanern und Spezialisten, den Unternehmern und Bauhandwerkern und all’ den vielen freiwilligen Helfern danke ich herzlich für ihren ausserordentlichen Einsatz. Nur dank all diesen Beteiligten konnte das ehrgeizige Ziel, in einer relativ kurzen Bauzeit und mit engem Kostenrahmen die hohe Qualität zu gewährleisten, erreicht werden. Es war für mich eine grosse Freude und Herausforderung, das neue Gemeindezentrum für die Chrischona Amriswil planen zu dürfen.

Edi Keller, Architekt

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